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Gedanken zum 5. Fastensonntag


Wir haben heute ein kleines Experiment gewagt. Sie können die Gedanken zum Sonntagsevangelium erstmals auf unserer Homepage auch hören.




Alternativ dazu können Sie den Text aber auch nach wie vor unterhalb lesen:



Woran denken Sie, wenn Sie den Namen „Lazarus“ hören? Bibelfesten fallen da gleich zwei Stellen ein: die Geschichte vom Reichen und dem armen Lazarus vor seiner Tür (Lk 16,19ff) und die Auferweckung des Lazarus (Joh 11,1ff).


Nun weiß ich nicht, ob es an der alles überlagernden Pandemie liegt, mir kam in diesen Tagen beim Namen Lazarus immer wieder das Wort Lazarett in den Sinn. Das klingt sehr ähnlich, und es hat sogar miteinander zu tun: ein Aussätzigen-Hospiz, welches dem heiligen Lazarus geweiht war, soll zum Namensgeber aller Notkrankenhäuser in Pest- und später auch Kriegszeiten geworden sein, welche man seither Lazarette nennt.


„Italien will oder wird kein Lazarett werden“, titelten zwei Zeitungen noch am 23.2.2020. Inzwischen ist die Notsituation in Italien gar nicht anders als durch den Einsatz von Feldlazaretten und durch die Ausfuhr von Patienten nach Bayern und Sachsen sowie die Einfuhr von Ärzten aus dem Ausland zu stemmen.


Und auch wenn Lazarette nicht den Standard eines modernen deutschen Krankenhauses einhalten können, so sind sie doch eine segensreiche Erfindung. Sie sind die einzige Möglichkeit, einer unerwartet kurzfristig hochschnellenden Zahl von Patienten ein Mindestmaß an Behandlung zukommen zu lassen.


Natürlich hoffe ich, dass sie in Deutschland nicht zum Einsatz kommen müssen. Doch weiß niemand, ob diese Hoffnung trügerisch ist. Inzwischen verzeichnet auch das Bocholter Krankenhaus die ersten vier Sterbefälle.


Damit komme ich zurück zum Namensgeber der Lazarette, zum biblischen Lazarus. Das heutige Sonntagsevangelium berichtet von ihm: Er war mit Jesus befreundet, genauso wie seine beiden Schwestern Marta und Maria. Als Lazarus schwer erkrankt, schicken sie Boten zu Jesus, damit er komme und ihn heile.


Doch Jesu merkwürdige Reaktion: Er bleibt erst noch mal zwei Tage dort, wo er ist. Erst dann macht er sich auf den Weg. Und da dieser Weg zu Fuß zu bewältigen ist, dauert es noch ein paar Tage, bis er Betanien erreicht. Inzwischen ist Lazarus verstorben. Keiner hatte rechtzeitig das Medikament oder die Behandlung gefunden, die ihn hätte am Leben erhalten können.


Jesus aber lässt sich nicht beirren. Er geht zum Grab, welches bereits verschlossen ist. Ausdrücklich warnen ihn die Schwestern, dass der Verwesungsgeruch schon eingesetzt habe. Jesus lässt den Stein vom Grab wegrollen, betet zu Gott als zu seinem Vater im Himmel und ruft dann: „Lazarus, komm heraus!“ Und tatsächlich steht der Tote zum Leben auf. Die Geschichte verbreitet sich in Windeseile im ganzen Land. Ein Toter wurde zum Leben auferweckt.


Um Tod und Leben geht es heute auch im Kampf gegen Corona. Vielen von uns kommt das Leben eher durch das aktuell verfügte Kontaktverbot und die vielen geschlossenen Restaurants und Geschäfte merkwürdig anders vor. Ansonsten freuen sie sich über den anklopfenden Frühling und die ersten Sonnenstrahlen, die zu Spaziergängen oder Fahrradtouren einladen. Aber die Sorge, sich mit dem unsichtbaren Virus anzustecken oder unbewusst als Überträger einen anderen weniger widerstandsfähigen Mitmenschen anstecken zu können, ist berechtigt. Und so ist und bleibt Vorsicht geboten.


Deswegen: Warten Sie nicht nur zwei Tage, sondern sicher zwei Wochen und vielleicht sogar zwei Monate, bis sie sich wieder ganz normal zu ihren Freunden und Bekannten auf den Weg machen. Bis dahin nutzen Sie das Telefon, das Internet und vielleicht auch das gute alte Briefpapier, um virenfrei in Kontakt zu bleiben. Wenn aber die Zeit des Wartens um ist, dann wird die Freude groß sein, wenn wir uns wieder gegenseitig zurufen können: „Komm heraus! Kehr zurück ins Leben!“


Gottes begleitende Nähe und seinen Segen wünscht in diesen Tagen

Ihr und Euer Pastor Andreas Lüke


Weitere Hilfen, Anregungen und Informationen finden Sie auf unserer Homepage unter Gottesdienste & Aktuelles